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awobericht 1925

Die Gründung der Arbeiterwohlfahrt in Wolfenbüttel
von Rudolf G. A. Fricke
 
In der Folge des ersten Weltkrieges herrschte unter der Bevölkerung Not und Leid. Die bestehende Armenpflege zeigte sich mit den auftretenden Problemen einmal mehr überfordert. Es bedurfte zur Linderung der sozialen Notstände einer umfassenden Wohlfahrtspflege. Die Sozialdemokraten lehnten das überkommene System der öffentlichen Fürsorge und der privaten Wohltätigkeit ohnehin ab, weil es nur ein absolutes Existenzminimum sicherte und die bürgerlichen Wohlfahrtsverbände von den Unterstützten ein ihnen genehmes Wohlverhalten erwarteten. Die Sozialdemokraten sahen das als „Entwürdigung von Almosenempfängern“ und forderten das gesetzlich verankerte Recht auf ausreichende Unterstützung. Mehr noch, um Beliebigkeiten bei der Unterstützungsgewährung auszuschließen, sollte die öffentliche Wohlfahrtspflege demokratische Organisationsstrukturen erhalten.
Am 13. Dezember 1919 beschloss der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei die Einrichtung der „Arbeiterwohlfahrt“. Die Frauensekretärin der Partei, zugleich Reichstagsabgeordnete, Marie Juchacz, wurde mit der Umsetzung des Beschlusses beauftragt. Noch im Dezember versandte sie Schreiben an die Parteigliederungen in denen sie zur Gründung von Wohlfahrtsausschüssen aufrief. Zug um Zug bildeten sich AWO-Ortsgruppen. Die SPD unterstützte die Entwicklung mit ihrem Einfluss in politischen Entscheidungsgremien, indem sie überall dort, wo öffentliche beziehungsweise staatliche Maßnahmen möglich waren, der AWO den Vorrang gab.
Ein Gründungsdatum einer Braunschweiger Arbeiterwohlfahrt ist nicht bekannt. Aus der Ausgabe des Braunschweiger Volksfreund vom 1.7.1920 geht aber hervor, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits einen entsprechenden Parteiausschuss gegeben haben muss. Komfortabler ist die Dokumentenlage für Wolfenbüttel. Im Niedersächsischen Landesarchiv Wolfenbüttel ist ein Ordner des Staatsministeriums für Arbeit und Soziales archiviert, der diverse Schreiben und auch einen „Tätigkeitsbericht der Arbeiterwohlfahrt Wolfenbüttel für den Zeitraum 1.10.1924 bis 1.10.1925“ enthält.
Der Ortsausschussvorsitzende Paul Scheerle schreibt darin unter anderem: „Am 1. Oktober 1924 ist hier die Arbeiterwohlfahrt ins Leben gerufen. In 15 Stadtbezirken üben seit dieser Zeit arbeitsfreudige Helfer und Helferinnen ihre Fürsorgetätigkeit aus … Der Vorstand … setzt sich aus den Herren [Paul] Scheerle, [Ewald] Harms, [August] Kastellan und [Otto] Rüdiger sowie aus den Damen Frau [Dora] Prüfer, Aerzberger, Hüther und Wagner zusammen.“

Besondere Aktivposten sind später auch noch Frau Hannabach, Herr Heise, Gertrud Stöter, Frau Saretzki, Das „späte“ Gründungsjahr in Wolfenbüttel vermag zunächst etwas verwundern. Es spiegelt aber die Situation im Freistaat Braunschweig wider, wo die Entwicklung wegen der Position der Sozialdemokraten zunächst sehr schleppend verlief. Es dominierte die USPD, die initiierenden Mehrheitssozialdemokraten waren personell recht schwach aufgestellt. Schwung kam nach 1922 auf, nachdem sich SPD und USPD vereinigt hatten. Wolfenbüttel stellte dann mit die größte und aktivste Ortsgruppe der Arbeiterwohlfahrt im Freistaat Braunschweig. Das Tätigkeitsspektrum umfasste Lebensmittelbeschaffungen, Weihnachtsbescherungen, der Unterhalt einer Nähstube im „Blauen Engel“, Hilfe in Einzelfällen. Auch Ferienausflüge für Kinder, bisher vom Gewerkschaftskartell organisiert, fielen dem Verantwortungsbereich der AWO zu. Otto Rüdiger schreibt in seiner SPD-Chronik verschiedentlich von Aktivitäten der AWO: „… die Arbeiterwohlfahrt [hatte] oft Gelegenheit sich für die  Hilfsbedürftigen einzuschalten.“ 1926: „Die Arbeiterwohlfahrt konnte in 250 Fällen die äußere Not lindern.“ 1931: „Die Arbeiterwohlfahrt schickte ständig erholungsbedürftige Kinder in das Erholungsheim Ostlutter.“
 
Finanziert wurden die Aktionen über Spendensammlungen. Zudem erhielt man vom Staat finanzielle Zuwendungen. Die staatlichen Zuwendungen brachen im Oktober 1930 schlagartig weg, als die Koalition der bürgerlichen Einheitsliste und die Nationalsozialisten im Freistatt Braunschweig die Regierungsgewalt übernahmen und sofort eine rigorose Sparhaltung gegenüber der öffentlichen Wohlfahrtspflege einnahm. Am 19.August 1933 löste der nationalsozialistische Ministerpräsident Klagges die Arbeiterwohlfahrt im Land auf.
 

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